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Neujahr
Neujahr

Silvester

In Arkeden war es Brauch, daß der „Güerschmoun“ (Jahresmann), ähnlich wie der Weihnachtsmann, am frühen Silvesterabend den Kindern seine Geschenke brachte. Er verlangte von ihnen das fehlerfreie „Aufsagen“ ihrer „Wántsch“ (Neujahrswunsch). Wenn die Kinder dies taten und versprachen, brav zu sein, warf der „Güerschmoun“ seine Geschenke (Äpfel, Nüsse, Süßigkeiten, gedörrte Pflaumen und eine Rute) durch die halbgeöffnete Tür ins Zimmer. Manchmal erkannten die Kinder in der verkleideten Gestalt ihren Großvater bzw. ihre Großmutter; sie waren sich dessen aber nicht so ganz sicher und hielten gebührenden Abstand, weil Stimme und Kleidung doch fremdartig wirkten. (…)

Silvester wurde nicht in der Familie gefeiert. „De Güerschnocht“ (die Jahresnacht) feierte, „überstand“ man in Arkeden in Altersgruppen oder Freundeskreisen. Schulkinder und konfirmierte Jugendliche feierten – nach Geschlechtern getrennt – schulklassenweise im Hause eines Jungen oder Mädchens bzw. eines Knechtes oder einer Magd. Am späten Abend gingen die Buben/Knechte zu den Mädchen/Mägden „ansingen“. Beliebte und oft gesungene Lieder waren „Rote Rosen, rote Rosen blüh'n im Garten ...“, Wenn alle Brünnlein fließen ...“ u.a.m. Hier verbrachten sie gemeinsam den restlichen Abend.

Junge Ehepaare feierten Silvester in Bezugsgruppen: Kameradschaften, Kränzchen, Verwandtenkreis, Männer und Frauen zusammen. Die alten Leute feierten zu Hause – alleine oder mit Verwandten – und „hüteten“ die Kleinkinder. Vor Mitternacht versammelten sich Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene vor dem Kirchenportal, wo sie gemeinsam das Silvesterläuten und die Salutschüsse erlebten. (...)

Neujahrstag

Es war Brauch am Neujahrsmorgen um 6 Uhr mit den vier Leuchtern in die Frühkirch zu gehen. Das Brauchtumsrepertoire war dasselbe wie in der Frühkirche am ersten Weihnachtstag (siehe dort). Die vier Sängergruppen, die jeweils zu einem der vier Leuchter gehörten, sangen nacheinander je eine Strophe des Liedes „Dies ist der Tag, den Gott gemacht ...“

Nach der Frühkirche brachte der Altknecht der versammelten Gemeinde seinen Glückwunsch dar. Dies fand auf dem Parjerein vor dem Eingang in die Kirchenburg statt.

Nachstehend der Neujahrswunsch – aus dem Jahre 1936 – des Altknechts Martin Schenker H.-Nr. 164. Wörtlicher Nachdruck nach dem handgeschriebenen Original:

Neujahrswunsch 1936

1.Sei gegrüßt liebe Gemeinde
heut am ersten Tag im Jahr,
da uns Gott der Herr geschenkt
wieder hat ein neues Jahr.

2.Still gedenken wir des Alten
das uns nun verflossen ist,
still der vielen frohen Stunden
die mit Freud und Leid gemischt.

3.Und so wollen wir Gott danken,
der uns gnädig half bis her,
der wenn Mut und Hoffnung sanken
Stärkung sandte himmelher.

4.In den schönen Maientagen
wuchsen Früchte wunderschön,
Regen strömte auf die Saaten
und erquickte sie so sehr.

5.Und so wollen wir ihm danken,
der uns half im alten Jahr,
ob auch trocken war der Sommer
Gott gab Korn überall.

6.Reiche Ernte, reichen Segen
legte Gott in unsern Schoß,
lohnte unser Müh und Arbeit,
gab uns unser täglich Brot.

7.Und so wollen wir auch geben
denen die im Elend sind,
die vergebens sich bemühten
unsern deutschen Brüder Wert.

8.Dort in Bessarabiens Lande
wo sie streuten Samen aus,
große Hitze, große Dürre
verhehrte dort das ganze Land.

9.Und so steh ich heute wieder,
hier vor diesem Gotteshaus,
um von hier nach alter Sitte
sage meinen Glückwunsch auf.

10.Unsere Väter die uns bauten,
dieses Bollwerk stark und groß,
es zu schützen zu erhalten
gib uns neuen Opfermut.

11.Unsere Schule ihre Lehrer
stärke du ihr Arbeitsfeld,
um zu pflanzen deutschen Glauben
in das deutsche Kinderherz.

12.Unsere Jugend treu beseelet,
von dem Funken dieser Zeit,
deutsch zu sein, sei unsere Losung
auch in aller schwerster Zeit.

13.Arbeitslager, Arbeitsbrüder
Arbeitsschwestern eilten her,
scheuten keine Müh und Plage
für des deutschen Namens Ehr.

14.Treu die Scholle zu beschützen,
die der Väter Schweiß getränkt,
daß noch Kind und Kindeskinder
erben dieses Fleckchen Erd.

15.Sich bemühen, sich nur regen
das sei eines jeden Pflicht,
daß der Sachsengrund nicht bröckelt,
daß nicht andere pflügen ihn.

16.Gott gebe Segen in Familien
Stärke für alt und jung,
daß ein Aufblühen neu wie Lilien
aufwärts führt mit edlem Schwung.

17.Gott laß Frömmigkeit und Tugend,
segnend walten für uns all',
schenke auch uns in der Jugend
reiner Freude neuen Schall.

18.Unsere Felder, unsere Saaten
schütze Gott mit Gnadenhuld,
segne unser Arbeit milde
Frucht zu ernten schön und gut.

19.Und gesunde helle Tage
spende Gott uns dieses Jahr,
hindern alle Müh und Plage
sonstige Krankheit und Gefahr.

20.Daß in unsere frommen Hütten
Leben und Gesundheit blüh,
Licht des Aufschwungs unbestritten
unsere Häuser hold umzieh.

21.Und auch euch ihr Männer, Frauen
wünsch ich heut am ersten Tag
Gesundheit, schöne frohe Tage,
die mögen immer mit euch sein.

22.Wo ein Herz so mühsam sitzet
trauert um ein wertes Kind,
das der Tod ihm weggerissen
zerstört ihm hat das Erdenglück.

23.Schenk auch denen, die so mühsam
sitzen in dem Kämmerlein.
Neujahrsglück, Neujahrsfreude
wollen auch bei ihnen einziehen.

24.Und auch denen, die entfernt
von der lieben Heimat sind,
heimwärts ihre Blicke heften
mit treu sächsischem Gefühl.

25.Laßt die Glocken froh ertönen
heut am ersten Tag im Jahr,
deutschen Mut und deutschen Glauben
jedem sie verkünden mag.

26.Klingt ihr Glocken, klingt mit Liebe
klingt das neue Jahr geht an,
sächsisch mögen sie ertönen
jedem noch recht viele Jahr.

Amen
Martin Schenker
Altknecht

Das „Wünschengehen“, ein beliebter und festgefügter Arkeder Brauch am Neujahrstag.

Nach dem Frühstück machten sich alle Kinder in Geschwistergruppen auf den Weg zu ihren Großeltern, Paten, Goden, Tanten und Onkeln; sie gingen „wünschen“. Für das „Heimtragen“ der Geschenke war jedes Kind mit einem bunten Tragtuch ausgerüstet. Manche trugen auch ein kleines „Pujelar“ (kleine Geldtasche/Geldbeutel), für die Geschenke in Geld, bei sich.

Im Hausinnern stellten sich die Geschwister dem Alter nach „hinter“ die Tür, d.h. mit dem Rücken zur geschlossenen Haustür und „sagten ihre Wünsche auf“. In der Regel waren es auswendig gelernte Gedichte oder volkstümliche Weisen. Die Anzahl der Strophen war dem Alter angepaßt, z.B. „Knecht Ruprecht“ mit mehreren Strophen für die Größeren. Der Kleinste wünschte meistens:
„A kle-in Gongchen bén ich
A schwer Zongchen hun ich
Di de menj Wántsch well hüren
Sál worden bés ich se lieren.“
(Freie Übersetzung: Ein kleiner Junge bin ich / ein schweres Zünglein hab ich / wer meinen Wunsch will hören / Soll warten bis ich ihn lerne).

Nach dem in der Regel fehlerfreien „Aufsagen“ wurden die Kinder mit Krapfen, Fankichen und Geld beschenkt. Wenn das Tragtuch voll war, ging man nach Hause und leerte es in eine eigens zu diesem Zweck bereitgestellte Brotmulde und weiter gings, bis man allen Verwandten, nahen und fernen, gewünscht hatte.

„Wünschen“ gingen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Es war Brauch, daß die verheirateten Kinder zu ihren Großeltern, Eltern, Geschwistern, Schwiegereltern und jeweils deren Geschwistern Wünschen gingen. Der in Arkeden übliche Neujahrswunsch für Erwachsene lautet: „Áser Hargot sejen ich, och én desem náien Güer, a gaw ich ollest Giadet, de Friden och de Gesontjheit. (Frei Übersetzung: Unser Herrgott segne euch, auch in diesem neuen Jahr, er gebe euch alles Gute, den Frieden und die Gesudheit).
Die Antwort lautet: „Áser Hargot lüeß ich iewefalls gesejnet senj, a gaw ich ouch ollest Giadet, de Friden och de Gesontjheit.“ (Freie Übersetzung: Unser Herrgott lasse euch ebenfalls gesegnet sein und gebe euch alles Gute, den Frieden und die Gesundheit.

Am Nachmittag des ersten Jahrestages war es Brauch, dass sich Verwandte gegenseitig besuchten; man ging „én de Gáß“ (in die Gasse, d.h. zu jemanden zu Besuch.)

Am Abend organisierte die Jugend eine Tanzunterhaltung, einen Ball.


Gekürzter (...) Auszug aus: Binder, Georg: Arkeden, München 1995, S. 346 – 350
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung seiner Witwe Katharina Binder.
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